Chronik des Hauses
Die Schankberechtigung war in Klein Radden ursprünglich an das Erbrichtergut gebunden,
daß sich 2 Häuser weiter im Haus Nr. 3 befand. Dieses Grundstück besaß der Gemeindeschmied.
Die Schmiede befand sich am Ende des Hofes, etwas abseits von den anderen Häusern am Weg
nach Groß-Radden zum Teich zu. 1812 ist Friedrich Lehmann als Huf- und Waffenschmied
nachgewiesen. Davor hatte die Familie Howaß die Schmiede in Besitz. Der Schmied war neben
dem Müller, von denen es in Klein-Radden bis vor 150 Jahren 2 gab, der einzige Handwerker
im Dorf. Dieser wurde von den Bauern für verschiedene Reparaturen oder zur Herstellung von
"Eiserzeich" in Anspruch genommen. Seine Nachfolger haben sich jedoch zu Sensenschmieden
spezialisiert. Sensen waren ein Marktschlager, nachdem durch die Gemeinheitsteilung oder
Separation in Preußen auch viele Bauern vom Spreewaldrand Wiesen pachten oder kaufen
konnten und die Weidefütterung durch die Stallfütterung ersetzt wurde. Das durch den
Sensenverkauf eingespielte Geld diente zum Bau der "Schankwirtschaft Heinrich Lehmann",
wie man bis zur neuen Namensgebung lesen konnte. Der Grundbestand des Gebäudes wurde 1912
errichtet. In den 30er Jahren war die Gaststätte verpachtet und im Krieg wurde der Saal als
Flüchtlingslager genutzt. Zunächst neben einer kleinen Landwirtschaft im Nebenerwerb
betrieben, wurde die Gaststätte nach 1961 zum Haupterwerb. 1980 erfolgte der Umbau der
Gaststube und nach der Wende die Einrichtung des Kaminzimmers, der Ausbau des
Schenkstockes, der Toilettenanbau, der Anbau des Schmiedezimmers, der Kegelbahn und der
Gästezimmer im Dachgeschoss und im Nebengebäude...
Die Gaststätte wird seit ihrer Gründung in 4. Generation im Familienbesitz geführt.
Auf einem kleinen Niederlausitzer Dorf stellt die Gaststätte auch den kulturellen
Mittelpunkt des Dorfes dar. Ursprünglich wurden hier nur die Dorffeste wie Fastnacht,
Stollereiten, Knedelball, Kirmes und später Feuerwehrball gefeiert, die Gaststube diente
für Dorfzusammenkünfte und die Männer gingen mal "zu Biere". Seit den 60er Jahren fanden
auch Betriebs- und Brigadefeiern der LPG statt. Nach der Wende hat sich unsere Gaststätte
auf Tanzabende und auf Familienfeiern spezialisiert. Auch unsere Kegelbahn erfreut sich
großer Beliebtheit.
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